Das Projekt
Hauptziel des Projektes ist die Schaffung
eines virtuell spielbaren Klang-Dokuments historischer
Pfeifenorgeln in Würdigung der Instrumente berühmter Orgelbauer, wie
beispielsweise Silbermann, Schnitger, Gabler, Cavaillé-Coll und vieler
anderer. Alle Eigenschaften der Instrumente werden dabei
weitestgehend erhalten, so beispielsweise der originale Raum mit
seiner typischen Klangfärbung und dem Nachhall, Veränderungen des
Winddrucks beim Spielen, Beeinflussung von Einschwingvorgängen durch
mechanische Traktur (in Vorbereitung), sowie Manual- bzw.
Pedal-Trakturgeräusche.
Die Klangdokumente sollen es Berufsorganisten,
Orgelforschern, Musikhochschulen, Musikstudenten und Liebhabern ermöglichen, wertvolle historische Instrumente in
ihrer originalen Raumumgebung virtuell zu spielen, so dass ein tieferes
Verständnis für die Bedeutung der Instrumente und deren typische Eigenschaften
entsteht. Damit soll auch ein Bewusstsein für die Erhaltung dieser Orgeln und
des Orgelbau-Handwerks geschaffen werden.
Darüber
hinaus kann ein solches Klangdokument, welches ein exaktes Abbild
eines Instruments mit all seinen Eigenschaften zu einem bestimmten
Zeitpunkt darstellt und weit über die üblichen dokumentarischen
CD-Aufnahmen hinausgeht, als wissenschaftliches
Werkzeug für spätere Orgelrestaurationen und Klangforschungen eingesetzt
werden. Das Instrument bleibt über seine begrenzte Lebensdauer hinaus (z.B. Zerstörung durch Brand, Erdbeben,
Hochwasser, Vandalismus, irreparabler Zustand) virtuell auf Dauer spielbar
erhalten. Das Klangdokument als
Archiv stellt damit einen Beitrag zur Erhaltung des Orgel-Kulturerbes dar.
Der Autor hat in diesem Zusammenhang Kontakte zu Pfeifenorgelbaufirmen und
–restauratoren, zur Pfeifenorgelforschung
(Fraunhofer-Institut Stuttgart) und zu namhaften Organisten.
Ein
Teil des Verkaufserlöses geht immer
als Spende oder als dauerhafte
Umsatzbeteiligung an die Kirchengemeinden
zum Unterhalt der Orgeln.
Mit
Hilfe der OSM-Aufnahmetechnik (Original Sound Mapping) des Autors
werden alle (!) Pfeifen des Instruments in ihrem Raumklang abgebildet.
Dabei werden Aufnahmen mit langer Klangdauer (im Bereich einiger Sekunden) und
dem originalen Nachhall vorgenommen. Durch Multikanal-Aufnahmetechnik,
Spezial-Mikrofone und High-End-Studioausrüstung bleiben alle stationären
sowie nichtstationären Eigenschaften des Pfeifenklangs, wie beispielsweise Lautstärke-
und Tonhöhenschwankungen und typische Ein- und Ausschwingvorgänge, die den
lebendigen Pfeifenklang repräsentieren, erhalten. Daraus resultiert eine
Authentizität des Klangs, die von Vor-Ort-Aufnahmen praktisch kaum unterscheidbar
ist. Der Spieler ist beim Spiel mit einem professionellen Studio-Kopfhörer sozusagen
virtuell im Kirchenraum anwesend. Inzwischen konnten bedeutende Klangdokumente
aus dem europäischen Raum,
wie z.B. die Silbermannorgel in Reinhardtsgrimma und die Bosch-Schnitger-Orgel in
Vollenhove realisiert werden. Weitere
Projekte im europäischen Raum sind in Vorbereitung.
Wegen
der Wertschätzung der Orgelbaumeister
und ihres künstlerischen Handwerks sind
diese virtuellen Instrumente keinesfalls
als Ersatz für Pfeifenorgeln, speziell
im kirchlichen Raum, gedacht (siehe
Lizenzbestimmungen).
Die
virtuellen Instrumente können mit einer Spezialsoftware (Hauptwerk) und geeigneten leistungsfähigen Computer- und Audiosystemen, sowie
entsprechenden MIDI-Orgelspieltischen gespielt werden. Diese Software
erlaubt eine vollständige originale Registrierung der Instrumente mit
allen Spielhilfen (z.B. Koppeln) auch vom MIDI-Spieltisch aus.
Der Autor
Der
Autor ist hauptamtlich als Professor für Informatik und Medientechnik an
der Hochschule Reutlingen
tätig. Er hat eine inzwischen über 30-jährige Erfahrung in
Fragen des Orgelbaus, der Orgelforschung, der musikalischen Akustik und
Musik-Elektronik und spielt selbst Orgel nebenamtlich.
Er ist seit WS 2007
assoziiertes Mitglied des neuen Master-Studiengangs
"European Organ Expert" der Musikhochschule Trossingen.