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 © OrganART Media
2002-2009

Last update:
July, 19, 2009

 

Die Tobias-Heinrich-Gottfried-Trost Orgel von 1730
Ev.-Luth. Stadtkirche
Waltershausen/Thüringen, Deutschland

English   French



    Kurze Einführung und Geschichtliches
    Die Trost-Orgel von Waltershausen repräsentiert mit ihren 47 Registern und  6 Pedaltransmissionen die größte Barock-Orgel Thüringens. Sie ist weitgehend im Originalzustand von 1730 erhalten (etwa 70% des Pfeifenbestands stammen von Trost selbst) und stellt deshalb ein außerordentlich wertvolles Referenzinstrument dar, wenn es um die Aufführung Bachscher Orgelwerke und die seiner Zeitgenossen geht. Dieses Instrument gilt heute als das Instrument, welches den klanglichen Vorstellungen Bachs am nähesten kommt.

    Die Orgel wurde im Zeitraum von 1724 bis 1730 von Tobias Heinrich Gottfried Trost erbaut, wurde aber wegen mehrerer Veränderungen der Orgeldisposition während der Bauzeit und schwerwiegenden Konflikten zwischen Trost und den Auftraggebern erst um 1755  möglicherweise durch den Orgelbauer Johann Heinrich Ruppert ganz fertiggestellt.
    Das Instrument überstand die Jahrhunderte ohne allzu schwerwiegende Eingriffe und wurde von
    Orgelbau Waltershausen im Zeitraum von 1994 bis 1998 wieder auf den Zustand von 1730 zurückgeführt.

    Es ist ein typisches Instrument der thüringischen Orgelbautradition, welches so charakteristische Register wie den Violonbass im Pedal, Terzmixturen, Sesquialtera, Viola di Gamba, usw. enthält. Diese Register, zusammen mit einer Fülle von gut verschmelzenden Registern, erlauben eine endlose Fülle an Klangkombinationen und sind damit Wegbereiter für die deutsch-romantische Orgel des folgenden Jahrhunderts.

    Trosts außerordentliche und neue Konzepte mit ungewöhnlichen und extremen Pfeifen-Mensuren von Registern wie Geigenprincipal, Flauto traverse, Vagarr, ebenswo wie "liebliche" Register, z.B.   Flauto dolce, Flöte dupla und Nachthorn, die Bach sehr schätzte, sind Wegbereiter des sog. "galanten Stils". Die von Bach geforderte "Gravität" wird durch drei 16-Fuß-Register im Hauptwerk, 16- und 32-Fuß-Posaunen im Pedal, nicht weniger als zwölf  8-Fuß-Labialregister in den Manualen, reichen Terz-Mixtur-Besetzungen sowie zwei Sesquialtera erreicht. Das Instrument hat dadurch einen außerordentlich dichten Plenum-Klang, wobei die Lautstärke nie forciert wird.

    Das Orgelgehäuse wurde von Johann Eberhard Strassburger, dem Architekten der Anna-Amalia-Bibliothek von Weimar, entworfen und ist von außerordentlicher Schönheit und Eleganz. Sogar die Manuale sind noch original erhalten.

    Wir wissen es nicht genau, aber es wird angenommen, dass Bach dieses Instrument selbst gespielt hat. Überliefert ist die große Wertschätzung, die Bach dem Klang und der handwerklichen Qualität der Trostschen Orgeln bei seinem Besuch 1739 in Altenburg entgegengebracht hat.

    Die Architektur der Kirche mit seinem typischen Rundbau und den umlaufenden Emporen auf mehreren Ebenen, entworfen von Wolf Christoph Zorn von Plobsheim, war offensichtlich Vorläufer der Frauenkirche Dresden. Die besondere Architektur des Innenraums mit der Einheit von Altar, Kanzel und Orgel, stellt eine perfekte Umsetzung der Lutherischen Vorstellung von Einheit der Musik und Predigt dar. Diese Architektur ist ebenso wieder in der Frauenkirche Dresden anzutreffen.
     
    Der Kirchenraum hat eine halbtrockene Akustik etwa 2,5 s Nachhallzeit.

    Aufnahmetechnik
    Das Instrument wurde im Juli/August 2008 mit 48 kHz, 24 Bit, in Multikanaltechnik für Hauptwerk 3 mit mehreren Nachhall-Antworten für kurze, mittlere und lange Tondauern aufgenommen (sog. Multi-Release-Technik von OrganART).
    Alle Manual-Zungenregister, sowie das komplette Oberwerk wurden von OrganART erstmalig mit allen originalen Tremulanten-Klängen aufgenommen.

    Danksagung
    Herzlichen Dank gilt der Superintendendur und der Gemeinde Waltershausen für die Unterstützung des Projekts.
    Besonderen Dank gilt dem hauptamtlichen Organisten Herrn Theophil Heinke für die Unterstützung vor Ort und dem
    Orgelbau Waltershausen für viele Informationen und Diskussionen.

    Zuguterletzt gilt der Dank meiner Frau, die mich in allen Projekten unterstützt und für die fotografische Dokumentation verantwortlich ist.